Können Aminosäuren und weitere Mikronährstoffe bei Angstzuständen und Zwangserkrankungen helfen?

    In Deutschland leiden rund 2,5 Prozent der Bevölkerung an Zwangserkrankungen, der vierthäufigsten psychischen Störung überhaupt. In der medizinischen Fachpresse gibt es zunehmend Hinweise, dass die psychische Befindlichkeit des Menschen sehr viel mit der Art der Ernährung zu tun hat und dadurch letztlich mit der Mikronährstoffversorgung des Stoffwechsels.
    Für eine gute Stimmung und für ein ausgewogenes Gemüt ist die ausreichende Synthese bestimmter Neurotransmitter unerlässlich. Ein außerordentlich wichtiger stimmungsaufhellender Botenstoff ist Serotonin, der aus der Aminosäure Tryptphan gebildet wird. Fast immer sind niedrige Serotoninkonzentrationen mit einer schlechteren psychischen Verfassung assoziiert. Zwangsstörungen scheinen im besonderen Maße mit dem serotonergen System verbunden zu sein. In der klassischen Psychiatrie gelten Serotoninwiederaufnahmehemmer als einzige Medikamentengruppe, die eine deutliche Wirksamkeit bei der Behandlung von Zwängen zeigt.

    In der psychiatrischen Grundlagenforschung werden häufig Versuche durchgeführt, bei denen bestimmten Patientengruppen ein tryptophanfreies Aminosäurengetränk verabreicht wird. Dadurch kann eine Verminderung der Serotoninkonzentration im Gehirn erreicht werden. Bei den Probanden werden daraufhin vermehrt Symptome wie Ängstlichkeit und Panikattacken festgestellt. Andersherum konnte gezeigt werden, dass durch Einnahme von 5-Hydroxy-Tryptophan - einer Vorstufe von Serotonin, die besonders schnell die Blut-Hirn-Schranke passiert - experimentell erzeugte Panikzustände deutlich weniger wurden.

    Auch andere Aminosäuren können bei der Behandlung von Zwangsstörungen und Angstzuständen förderlich sein, wie z.B. Glutamin. Diese Aminosäure hat einen leicht beruhigenden Effekt, da das Gehirn aus Glutamin GABA bilden kann.

    Einige kleinere Studien ergaben, dass bei chronischen Angstzuständen auch eine Supplementierung von Lysin hilfreich ist, da es die auf einen Stressreiz hin ansteigenden Plasma-Cortisolkonzentrationen vermindern kann. Chronisch erhöhte Cortisolspiegel im Blut können u.a. zu Depressionen führen. Es gibt außerdem Hinweise dafür, dass Lysin seine Wirkung auch an einer bestimmten Art von Serotonin-Rezeptoren entfalten kann.

    Einen günstigen Einfluss bei Panikattacken kann auch die Aminosäure Glycin haben, die wahrscheinlich die Freisetzung von Noradrenalin im Gehirn vermindert. Noradrenalin spielt im Stoffwechsel als Vermittler von Angst- und Panikzuständen mit. Glycin kann auch entkrampfen, da es einen entspannenden Effekt auf die Skelettmuskulatur hat.

    Grundsätzlich gilt für alle Aminosäuren, dass ein Ungleichgewicht oder eine verminderte Verfügbarkeit zu psychischen Befindlichkeitsstörungen führen können. Dazu muss man wissen, dass die meisten Aminosäuren nicht einfach über den Blutweg zu den Nervenzellen gelangen, sondern dass Sie zuvor die Blut-Hirn-Schranke passieren müssen, eine Art Filter zwischen Blutbahn und Nervenzelle. Hierzu werden so genannte Carrier-Proteine benötigt, deren Aktivität wiederum erheblich von der Konzentration der Aminosäuren im Blutserum bestimmt wird.

    Bei einer Therapie mit Aminosäuren gilt in besonderem Maße, dass die Wirksamkeit von der richtigen Einstellung abhängt, d.h. der Bedarf der Aminosäuren muss dem Stoffwechsel angepasst werden, was nur anhand einer Blutanalyse feststellbar ist.

    In einer ganzheitlichen Orthomolekularen Therapie sollte bei der Behandlung von Zwangserkrankungen und Ängsten auch Folgendes noch beachtet werden:

    • Stabilisierend auf das Nervensystem wirken hohe Magnesium- und Calcium-Spiegel sowie eine optimale Versorgung mit Selen, Zink und den Vitaminen B6, B12 und Folsäure.
    • Vitamin B1 spielt eine wichtige Rolle für die psychische Stabilität. Die Nervenzellen sind für die Energieversorgung elementar auf dieses Vitamin angewiesen. Bei einem B1-Mangel besteht auch die Neigung zu einer vermehrten Lactatbildung; dadurch erhöht sich das Risiko für Ängstlichkeit. Lactat in Form von Infusionen ist übrigens ein bewährtes Mittel, um in Studien Panikattacken zu erzeugen.
    • Vitamin C ist wichtig für die Funktion der Nebennierenrinde und damit für die Bildung der Hormone. Auch einige Hormone und Peptide der Hirnanhangdrüse benötigen Vitamin C.
    • Vitamin C kann oxidativen Stress vermindern und die mangelnde Durchblutung verbessern, die oftmals durch eine Verkrampfung entsteht.
    • Zink kann beruhigend wirken, weil es für die Aktivität der Glycinrezeptoren benötigt wird.
    • Es wurde bereits in vielen Studien nachgewiesen, dass verminderte Folsäurekonzentrationen und erhöhte Homocysteinwerte bei depressiven Störungen eine Rolle spielen können. Auch bei Menschen mit Zwangsstörungen wurde inzwischen festgestellt, dass die Folsäurekonzentrationen signifikant niedriger und die Homocysteinwerte signifikant höher waren als bei gesunden Probanden. Außerdem korreliert der Schweregrad der Zwangsstörungen mit dem Ausmaß des Folsäuremangels.

    Auch bei für eine Therapie mit diesen Mikronährstoffen gilt wie immer der Grundsatz: Zuerst anhand einer genauen Blutanalyse den Bedarf ermitteln, dann therapieren. Nur dann ist gewährleistet, dass der richtige Mikronährstoff zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle wirksam wird.

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    Studien über Mikronährstoffe

    studien

    Mikronährstoffe im Blut bestimmen

    Laboranalyse

    Mikronährstoffe und Gehirn

    Gehirn

    studien

    Vitamin-D-Spiegel und Hirnvolumen

    Wissenschaftler aus Norwegen und Schweden konnten mittels Kernspintomografie nachweisen, dass ein höherer Vitamin-D-Spiegel mit einem höheren Masse an grauer Hirnsubstanz assoziiert war. Eine höhere Vitamin-D-Konzentration hat offensichtlich einen Schutzeffekt auf die Masse der grauen Hirnsubstanz.

    Referenz:
    Soares, Jelena Zugic, Pettersen, Renate et al.: Vitamin D Levels, APOE Allele, and MRI Volumetry Assessed by NeuroQuant in Norwegian Adults with Cognitive Symptoms; Journal of Alzheimer's Disease, vol. Pre-press, no. Pre-press, pp. 1-11, 20201

     

    Vitamin-D-Supplementierung verbessert kognitive Funktionen

    Wissenschaftler aus China untersuchten in einer zwölfmonatigen Doppelblindstudie den möglichen Effekt einer Vitamin-D-Supplementierung auf kognitive Funktionen bei Patienten mit milder kognitiver Störung. Sie konnten nachweisen, dass die Vitamin-D-Supplementierung die kognitiven Funktionen infolge Reduzierung von oxidativem Stress verbesserte. In der Vitamin-D-Gruppe war die Telomerenlänge der Leukozyten signifikant höher als in der Placebogruppe. Die Länge der Telomere ist ein Maßstab für das biologische Alter.

    Referenz:
    Vitamin D Supplementation Improves Cognitive Function Through Reducing Oxidative Stress Regulated by Telomere Length in Older Adults with Mild Cognitive Impairment: A 12-Month Randomized Controlled Trial; Journal: Journal of Alzheimer's Disease, vol. Pre-press, no. Pre-press, pp. 1-10, 2020

     

    Folsäure und Vitamin B12 beeinflussen kognitive Funktionen

    US-Wissenschaftler untersuchten bei 1.408 Teilnehmern der Boston Puerto Rican Health Study die Serumkonzentrationen von Folsäure und Vitamin B12 und untersuchen deren Zusammenhang mit der Hirnleistungsfähigkeit. Sowohl niedrige Vitamin-B12-Spiegel wie auch niedrige Folsäurespiegel waren mit schlechteren kognitiven Funktionen in dieser Studienpopulation assoziiert. Ein Vitamin-B12-Mangel war relativ häufig. Neuen Prozent der Studienteilnehmer hatten Vitamin-B12-Konzentrationen unter 200 Nanogramm/Liter.

    Referenz:
    Tahani Boumenna, Tammy M Scott et al.: Folate, vitamin B-12, and cognitive function in the Boston Puerto Rican Health Study; Am J Clin Nutr . 2020 Nov 12;nqaa293.

     

    Antioxidative Vitamine und Hirnleistungsfähigkeit

    Wissenschaftler aus den USA und Großbritannien untersuchten anhand von Daten von 1.251 Studienteilnehmern den möglichen Zusammenhang zwischen antioxidativen Vitaminen und der Hirnleistungsfähigkeit. Das Zusammenwirken zwischen Vitamin E und Carotinoiden war mit einer besseren kognitiven Leistungsfähigkeit assoziiert.

    Referenz:
    Yang, Tong, Wang, Huanzen: MA Beydoun, JA Canas et al.: Association of Antioxidant Vitamins A, C, E and Carotenoids with Cognitive Performance over Time: A Cohort Study of Middle-Aged Adults; Journals Nutrients 2020, Volume 12/ Issue 11 / 10.3390/nu12113558

     

    Vitamin-B1-Mangel bei schwangeren Frauen

    Brasilianische Forscher untersuchen die Vitamin-B1-Konzentrationen bei Frauen im ersten, zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel. Außerdem wurden Symptome von Ängstlichkeit und Depression per Fragebogen ermittelt. Es zeigte sich, dass niedrige Vitamin-B1-Spiegel besonders die soziale Vulnerabilität bei den schwangeren Frauen erhöhte.

    Referenz:
    Fernando Machado Vilhena Dias, Aline Sanches Oliveira et al.: Social vulnerability: The connection between psychiatric disorders and thiamine deficiency in pregnant women; Psychiatry Res. 2020 Aug 20;293:113362.

     

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