Angst, Depressionen & Co:

Welche Mikronährstoffe wichtig sind

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gedächtnis und Mikronährstoffe

Das Gehirn unterliegt wie alle anderen Organe auch einem Alterungsprozess, der zu einer Verminderung verschiedener Hirnleistungen führt. Wie kernspintomographische Untersuchungen gezeigt haben, kommt es bereits im mittleren Erwachsenenalter zu einer Volumenverringerung gedächtnisrelevanter Hirnregionen wie des Hippokampus und des präfrontalen Kortex. Neben einer Verschlechterung der Gedächtnisleistung treten etwa ab dem siebzigsten Lebensjahr noch andere Hirnleistungsstörungen auf, z.B. eine Verlangsamung der Reaktionszeit und der Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen. Auch die räumliche Orientierungsfähigkeit nimmt ab. Das Altern beeinträchtigt also vor allem die Tempoleistungen des Gehirns. Sprachkenntnisse, Begriffsvermögen und berufliche Fähigkeiten bleiben meist sehr gut erhalten und können sich sogar noch verbessern.

Seit einigen Jahren ist nachgewiesen, dass im Bereich des Hippokampus und im Riechkolben des menschlichen Gehirns zeitlebens neue Nervenzellen entstehen können. Dieses Phänomen nennt man adulte Neurogenese. Die Fähigkeit des Gehirns, neue Nervenzellen zu bilden, kann durch bestimmte Verhaltensweisen unterstützt werden. Wesentlich dabei ist, dem Gehirn immer wieder neuen Lern- und Denkstoff zu bieten, d.h. einen anregenden, aktiven Lebensstil zu führen. Man sollte sich also von der Vorstellung trennen, dass Altern zwangsläufig mit einer Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit verbunden sein müsste.

Störungen des Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit sind allerdings keineswegs Phänomene, die nur im Seniorenalter auftreten; auch viele Menschen im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter machen die Erfahrung, dass sie ihr Gedächtnis im Stich lassen kann. Wenn einem plötzlich die Namen von Geschäftspartnern oder Termine nicht mehr einfallen, kann dies schon bedrohlich wirken. Für kognitive Probleme im mittleren Erwachsenenalter gibt es verschiedene Ursachen. Sehr häufig ist chronischer Stress der Verursacher von Gedächtnisproblemen. Ein kurzzeitiger Stresszustand hingegen schadet dem Gehirn nicht, sondern kann sogar die Konturen der Erinnerung schärfen.

Anhaltender Stress führt über eine Aktivierung der HPA-Achse zu einer Erhöhung des Cortisolspiegels. Wenn die Cortisolkonzentrationen über einige Tage erhöht sind, können die Neuronen des Hippokampus bereits Schaden nehmen. Die Zahl der Dendrite und synaptischen Verbindungen nimmt ab. Ein hoher Cortisolspiegel führt auch dazu, dass deutlich weniger neue Gehirnzellen entstehen; außerdem wird die Bildung des Nervenwachstumsfaktors BDNF eingeschränkt.
Leichter Hypercortisolismus ist auch ein häufiger Befund bei depressiven Erkrankungen.
Im Laufe wiederholter depressiver Episoden können sich die Schädigungen des Hippokampus summieren, so dass es zu einer bleibenden Beeinträchtigung des Gedächtnisses kommen kann, wenn die Depression nicht rechtzeitig behandelt wird.

Gedächtnisprobleme oder andere kognitive Störungen im mittleren Erwachsenenalter können durchaus auch mit Diabetes mellitus, Hypothyreose oder anderen Erkrankungen zusammenhängen.
Eine wesentliche Voraussetzung für eine gute kognitive Leistungsfähigkeit ist eine „hirngesunde“ Ernährung, die weitgehend der Ernährungsform entspricht, die auch für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu empfehlen ist. Die Zufuhr von gesättigten Fettsäuren, Transfettsäuren und Cholesterin sollte gering gehalten werden. Wünschenswert sind eine hohe Aufnahme von Obst und Gemüse und eine Bevorzugung von Kohlenhydraten mit niedrigem glykämischen Index.

Bei Gedächtnisproblemen sollte altersunabhängig immer an eine unzureichende Versorgung mit Mikronährstoffen gedacht werden. Kognitive Störungen sind oftmals das erste Anzeichen eines Mangels an Vitaminen der B-Gruppe. Mikronährstoffe sind für die Energieversorgung der Nervenzellen unerlässlich und besonderes maßgebend für den Neurotransmittermetabolismus. Bekanntlich ist das Neurotransmittergleichgewicht von entscheidender Bedeutung für die Hirnleistungsfähigkeit und Befindlichkeit.

Im Folgenden werden die bei kognitiven Störungen relevanten Mikronährstoffe beschrieben:

 

Arginin

Arginin ist die Vorstufe des Signalgases Stickstoffmonoxid (NO), das für die Regulierung der Gefässweite und der Durchblutung benötigt wird. NO wirkt auch an Synapsen und beeinflusst dort, je nach Typ, die Freisetzung verschiedener Neurotransmitter. Es gibt zunehmend Hinweise, dass NO als retrograder Botenstoff auch an der Gedächtnisbildung beteiligt ist.

 

Glutaminsäure

Glutaminsäure ist die Drehscheibe des Aminosäurenstoffwechsels; im Gehirn wirkt sie als exzitatorischer Neurotransmitter. Die Glutamatrezeptoren sind für die synaptische Plastizität im Rahmen von Lernen und Gedächtnis unentbehrlich. Bei Schulkindern mit Lernschwierigkeiten konnte durch eine Glutamatsupplementierung eine Verbesserung der Merkfähigkeit erreicht werden. Es ist aber zu beachten, dass Glutamat auch ein erhebliches neurotoxisches Potential (Exzitotoxizität) besitzt und an der Pathogenese von Schlaganfällen, neurodegenerativen Erkrankungen und Epilepsien beteiligt ist. Bei diesen Krankheitsbildern sowie bei einer nervösen Übererregbarkeit darf Glutamat nicht supplementiert werden.

 

Cystein

Cystein ist meist der limitierende Faktor für die Synthese von Glutathion, dem wichtigsten Antioxidans in der Zelle. Mit zunehmendem Alter kommt es zu einer signifikanten Verminderung der Cystein-Plasmakonzentration, wodurch auch die Glutathionsynthese beeinträchtigt wird. Generell ist der Alterungsprozess mit einer Verminderung der antioxidativen Kapazität in Blutplasma und Gehirn verbunden.

Die Zunahme des oxidativen Stresses und die damit einhergehende Schädigung von Zellstrukturen und Molekülen im Gehirn kann allmählich zu einer Verminderung der kognitiven Leistungsfähigkeit führen. Eine Supplementierung von Cystein in Form von N-Acetyl-Cystein (NAC) erweist sich als ein bewährtes Verfahren zur Verbesserung der Glutathionsynthese. NAC kann die NO-Verfügbarkeit verbessern und hat einen antiinflammatorischen Effekt. Letzterer ist deshalb bedeutsam, weil es mit steigendem Lebensalter auch zu einer Zunahme der Konzentrationen proinflammatorischer Zytokine im Gehirn kommt.

 

Glycin

Glycin ist ein inhibitorischer Neurotransmitter an glycinergen Rezeptoren, die sich im Rückenmark und in den Basalganglien befinden. Glycinsupplemente haben deshalb einen entspannenden und spasmolytischen Effekt. Glycin ist aber auch ein Coagonist an den NMDA-Rezeptoren, die für das Lernen und die Gedächtnisbildung sehr wichtig sind. 1999 wurde eine Studie publiziert, in der mit einer besonderen Darreichungsform von Glycin in allen Altersgruppen eine deutliche Verbesserung der Gedächtnisleistungen erzielt wurde.

 

Serin

Serin ist die Ausgangssubstanz für die Bildung von Cholin, Acetylcholin und Phospholipiden. Acetylcholin, ein wichtiger Botenstoff im ZNS, erweist sich u.a. auch für die Aufmerksamkeit und das Lernen als erforderlich. Serin erfüllt ferner eine wichtige Aufgabe im Homocysteinmetabolismus. Die Methylgruppe des Serins wird für die Bildung von 5-Methyl-THF (Coenzymform) aus THF (Tetrahydrofolsäure) benötigt; somit hängt die Remethylierung des Homocysteins von einer ausreichenden Serinverfügbarkeit ab. Außerdem ist Serin an der Cysteinbildung aus Homocystein beteiligt. Eine Serinsupplementierung vermindert den Homocysteinanstieg nach einer Methioninbelastung.

 

Tryptophan

Tryptophan ist die Ausgangssubstanz für die Bildung des Neurotransmitters Serotonin. Serotonin hat sehr vielfältige Funktionen im ZNS; u.a. ist das serotoninerge System auch für das Lernen und für das Gedächtnis zuständig.

Mit dem Tryptophandepletionstest kann man experimentell relativ einfach einen Serotoninmangel im Gehirn erzeugen und dadurch die Folgen für die Hirnfunktion beurteilen. Mit Hilfe dieser Methode konnte gezeigt werden, dass ein Tryptophanmangel vor allem die Ausbildung des Langzeitgedächtnisses beeinträchtigt.

Bei anhaltendem psychosozialen Stress besteht häufig ein deutlich erhöhter Tryptophanbedarf, da Cortisol zu einem beschleunigten Tryptophanabbau führt. Das ist einer der Gründe, warum man bei Gedächtnisstörungen unbedingt auf eine gute Tryptophanversorgung achten soll.

 

Referenzen:

  • González-Burgos I, Feria-Velasco A: Serotonin/ dopamine interaction in memory formation; Prog Brain Res. 2008; 172: 603-23
  • focus-online.de, 10.09.08: Vitamin B12 schützt das Gehirn
  • Oudshoorn C et al: Higher serum vitamin D3 levels are associated with better cognitive test performance in patients with Alzheimer`s disease; Dement Geriatr Cogn Disord. 2008; 25 (6): 539-43
  • Przybelski RJ, Binkley NC: Is vitamin D important for preserving cognition? A positive correlation of serum 25-hydroxyvitamin D concentration with cognitive function; Arch Biochem Biophys.; 2007 Apr 15; 460(2): 202-5
  • Dröge W, Schipper HM: Oxidative stress and aberrant signalling in aging and cognitve decline; Aging Cell. 2007 Jun; 6(3): 361-70
  • Wengreen HJ et al: Antioxidant intake and cognitive function of elderly men and women: the Cache County Study; J. Nutr. Health Aging; 2007 May-Jun; 11(3): 230-7
  • Rondanelli M et al: Relationship among nutritional status, pro/ antioxidant balance and cognitive performance in a group of free-living healthy elderly; Minerva Med. 2007 Dec; 98(6): 639-45
  • Merrill F et al: Homocysteine, folate and vitamins B6 and B12 blood levels in relation to cognitive performance: The Maine-Syracuse Study; Psychosomatic Medicine 68: 547-554 (2006)
  • Dimopoulos N et al: Association of cognitive impairment with plasma levels of folate, vitamin B12 and homocysteine in the elderly; In vivo. 2006 Nov-Dec; 20(6B): 895-9
  • Quadri P et al: Homocysteine and B vitamins in mild cognitive impairment and dementia; Clin Chem Lab Med. 2005; 43(10): 1096-100
  • Morris MC et al: Vitamin E and cognitive decline in older persons; Arch Neurol. 2002 Jul; 59(7): 1125-32
  • Schmitt JA et al: Tryptophan depletion impairs memory consolidation but improves focussed attention in healthy young volunteers; J Psychopharmacol. 2000 Mar; 14(1): 21-9

Autor:
Dr. med. Hans-Günter Kugler

Veröffentlichung:
Naturheilpraxis, April 2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

File SE et al: Beneficial effects of glycine (bioglycine) on memory and attention in young and middle-aged adults. J Clin Psychopharmacol. 1999 Dec; 19(6): 506-12
Benton D et al: Thiamine supplementation mood and cognitive functioning; Psychopharmacology (Berl). 1997 Jan; 129(1): 66-71

© Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler

 

Studien über Mikronährstoffe

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Mikronährstoffe im Blut bestimmen

Laboranalyse

 

Mikronährstoffe und Gehirn

Gehirn

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Zinkkonzentration bei Depressionen

Wissenschaftler aus Polen untersuchten in einer Studie bei Patienten mit depressiver Episode die Zinkkonzentrationen im Blut. An der Studie nahmen 69 Patienten mit aktiver depressiver Episode, 45 Patienten in Remission und 50 Kontrollpersonen teil. Die Ergebnisse der Zinkbestimmung zeigte, dass die Zinkkonzentration in der depressiven Phase statistisch niedriger war als bei gesunden Kontrollpersonen. Der Zinkspiegel bei Patienten in Remission unterschied sich nicht signifikant von denen der Kontrollpersonen. Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass die Serum-Zinkkonzentration als möglicher biologischer Marker bei der depressiven Episode anzusehen sei.

Referenz:
Styczeń K et al.: The serum zinc concentration as a potential biological marker in patients with major depressive disorder. Metab Brain Dis. 2016 Aug 8.

Antioxidative Vitamine und Störungen der Hirnfunktion bei Alkoholikern

Spanische Wissenschaftler untersuchten bei alkoholkranken Patienten die Konzentrationen verschiedener Vitamine sowie die Konzentrationen proinflammatorischer Zytokine und Malondialdehyd. Bei Alkoholikern führte die Störung der Leberfunktion zu einer Veränderung der Serumkonzentration von Vitamin A, die auch mit Veränderung des Gehirns verbunden war. Auch die Vitamin-E-Spiegel waren vermindert. Die Verminderung der Vitamin-Konzentrationen war am größten bei Patienten mit Kleinhirnatrophie.

Referenz:
González-Reimers E et al.: Antioxidant vitamins and brain dysfunction in alcoholics. Alcohol Alcohol. 2013 Sep 25. Epub

Ernährungsgewohnheiten und Depressionen

Koreanische Forscher untersuchten bei Mädchen und jungen Frauen im Alter von 12 bis 18 Jahren den Einfluss von Ernährungsgewohnheiten auf Symptome einer Depression. Sie konnten einen Zusammenhang zwischen Depressionen und dem Verzehr von Fertignahrungsmitteln und verarbeiteten Nahrungsmitteln nachweisen. Eine niedrige Zufuhr von grünem Gemüse und Obst erhöhte das Risiko für Depressionen. Die Zufuhr von Ballaststoffen, Betacarotin, Vitamin B6, Vitamin E, Vitamin C, Kalium, Zink, Folsäure, Eisen und Kupfer war negativ mit dem Risiko für Depressionen assoziiert. Insbesondere in dieser Altersspanne sollte auf die Nahrungsmittelauswahl geachtet werden.

Referenz:
Tae-Hee Kim, MD, PhD, Ji-young Choi, MS et al.: Associations between Dietary Pattern and Depression in Korean Adolescent Girls; Journal of Pediatric and Adolescent Gynecology, Available online 20 April 2015

Schlafqualität bei Eisenmangelanämie

Mittels eines Fragebogens wurden bei 104 Patienten mit Eisenmangelanämie und bei 80 gesunden Kontrollpersonen die Schlafqualität sowie Ängstlichkeit und Depressivität analysiert. Bei den Anämiepatienten wurden sowohl höhere Depressions- wie auch Ängstlichkeits-Scores festgestellt. Außerdem war die totale Schlafqualität bei den Patienten mit Anämie signifikant schlechter als bei den Kontrollpersonen. Die Beeinträchtigung der Schlafqualität zeigte keine Assoziation zu Ängstlichkeit und zu Depressionen.

Referenzen:
Semiz Murat, Uslu Ali et al.: Assessment of subjective sleep quality in iron deficiency anaemia; Afr Health Sci. 2015 Jun; 15(2): 621–627.

Ernährung kann psychische Befindlichkeit beeinflussen

In Welt online erschien am 14.01.2016 ein Artikel, der sich mit dem Zusammenhang zwischen Nährstoffen und der Psyche beschäftigte. Ein neues Fachgebiet “Nutritional Psychology” erfreut sich zunehmender Aufmerksamkeit. Dabei geht es um die Beeinflussung der psychischen Befindlichkeit durch die Ernährung. Bis heute werden Medikamente als anerkannte Behandlungsweise für Menschen mit schweren psychischen Krankheiten betrachtet. Dabei haben immer mehr neue Studien gezeigt, dass das Risiko für Depressionen in erheblichem Umfang vom Ernährungsstil beeinflusst werden kann. Es wurde z.B. nachgewiesen, dass eine modifizierte mediterrane Ernährung das Risiko senkte, später an Depressionen zu erkranken. Auch Nahrungszusätze könnten Linderung bringen. So wurde ein Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und dem Schizophrenie-Risiko nachgewiesen. Gute Erfahrungen liegen mit Nährstoffkombinationen vor, die genauer auf den körperlichen Bedarf zugeschnitten sind.

Referenz:
welt.de, 14.01.2016: Wie die Ernährung Depressionen beeinflusst


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