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Depressionen und oxidativer Stress Unterschiedliche Faktoren sind an der
Pathophysiologie depressiver Erkrankungen beteiligt, z.B. Veränderungen
des Neurotransmittermetabolismus und des Neuroendokrinums sowie der
neuralen Plastizität. Sehr häufig findet man bei depressiven Patienten
auch erhöhte Konzentrationen proinflammatorischer Zytokine. Diese können
wiederum eine verstärkte Freisetzung von CRH, ACTH und Cortisol bewirken
und z.B. den Tryptophanabbau beschleunigen. Eine Aktivierung der
Mikrogliazellen im Gehirn
ist mit einer erhöhten NO-Produktion assoziiert, wodurch vermehrt der
Cofaktor Tetrahydrobiopterin verbraucht wird, der dann nicht mehr in
vollem Umfang für die Bildung der Neurotransmitter zur Verfügung steht. |
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Bild:
Peter Kirchhoff, Pixelio.de |
Bei depressiven Patienten und auch bei Patienten mit
anderen affektiven Störungen sind sehr häufig Veränderungen des
Antioxidantienstatus nachweisbar, wie folgende Studien zeigen.
2007 wurde eine Studie türkischer Wissenschaftler publiziert, die bei 96
Patienten mit einer depressiven Episode (MDD) verschiedene Parameter des
oxidativen Stresses untersuchten. Die Patienten wurden mit einer Gruppe
gesunder Kontrollpersonen verglichen. Die Konzentrationen von Malondialdehyd
im Blutplasma und die Oxidationsempfindlichkeit der Erythrozyten waren in
der Patientengruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe. Ebenso war
die SOD-Aktivität erhöht. Es bestand ein positiver Zusammenhang zwischen der
Schwere des Erkrankungsbildes und der SOD-Aktivität. Eine sechswöchige
antidepressive Therapie bei den MDD-Patienten veränderte den
Antioxidantienstatus nicht.
In einer Studie der Universität Würzburg wurden die Konzentrationen von
Mn-SODs und Cu/Zn-SODs im Hippocampus und im Frontalhirn von verstorbenen
depressiven Patienten bestimmt. Als Vergleich dienten Hippocampus- bzw.
Frontalhirnproben von Verstorbenen, die an keiner neuropsychiatrischen
Störung gelitten hatten. Bei den Frontalhirnproben der depressiven Patienten
waren die Konzentrationen der Cu/Zn-SODs signifikant erhöht, was eindeutig
dafür spricht, dass oxidativer Stress in der Pathophysiologie der
Depressionen eine Rolle spielt.
Polnische Wissenschaftler untersuchten die Apoptoserate von Leukozyten bei
29 MDD-Patienten und 30 gesunden Versuchspersonen. Außerdem wurden folgende
Parameter bestimmt: ROS, SODs, Katalasen, Totale Peroxidase, TNF-Alpha und
Interleukin-6. Die Ergebnisse zeigten, dass bei depressiven Patienten eine
beschleunigte Apoptose von CD4+
T-Lymphozyten und neutrophilen Granulozyten vorliegt. Die Leukozyten der
MDD-Patienten produzierten mehr ROS, außerdem wurde ein signifikanter
Anstieg der Serumaktivität von SODs, Katalasen und Peroxidase festgestellt.
Zwischen der Apoptoserate und der Bildung von Superoxidanionen bestand eine
positive Korrelation. Das Ergebnis dieser Studie zeigte, dass der Zelltod
von Immunzellen die Infektempfindlichkeit der Patienten beeinflusst und dass
somit die Gabe von antioxidativen Wirkstoffen bei Patienten mit Depressionen
vorteilhaft sein könnte.
Im Mai 2008 erschien eine Studie türkischer Wissenschaftler, die bei 18
Patienten mit sozialer Phobie und bei 18 Kontrollpersonen verschiedene
Parameter des antioxidativen Systems bestimmten: Malondialdehyd, SODs,
Glutathionperoxidase und Katalasen. Außerdem wurde bei allen Patienten der
Liebowitz-Social-Anxiety-Scale (LSAC) durchgeführt. Die Konzentrationen von
Malondialdehyd, SOD, Glutathionperoxidase und Katalasen waren in der
Patientengruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe. Außerdem
bestand eine positive Korrelation zwischen den LSAC-Scores und diesen
Laborparametern. Darüber hinaus korrelierte die Dauer der Erkrankung mit den
Parametern des antioxidativen Systems. Die Resultate dieser Studie lassen
vermuten, dass zwischen der sozialen Phobie und Störungen des antioxidativen
Systems eine Beziehung besteht.
Im September 2008 wurde von der University of Melburne ein Review-Artikel
zum Thema oxidativer Stress und psychiatrische Störungen publiziert. Die
Arbeit untersuchte die Evidenz für einer pathophysiologischen Rolle des
oxidativen Stresses bei psychiatrischen Störungen. Die meisten
diesbezüglichen Daten liegen bei der Schizophrenie vor, bei der oxidativer
Stress sich unbestritten als ein wichtiger Krankheitsmechanismus erweist.
Bei Depressionen und bipolaren Störungen besteht aufgrund von biochemischen,
genetischen und pharmakologischen Untersuchungen und einer klinischen Studie
eine solides Fundament für die oxidative Stress-Hypothese.
Ebenfalls im September 2008 wurde eine Studie des Mental Health Research
Institute of Victoria publiziert, in der die Wirkung von N-Acetylcystein auf
die depressive Symptomatik von Patienten mit bipolaren Störungen überprüft
wurde. Ausgangsüberlegung der Studie war, dass sowohl die Depression als
auch die bipolare Störung durch eine Glutathionverarmung verschlimmert
werden. N-Acetylcystein ist bekanntlich eine Vorläufersubstanz für die
Glutathionbildung. Die Untersuchung wurde als randomisierte
Doppelblindstudie an 75 Personen mit bipolaren Störungen durchgeführt. Zur
üblichen Psychopharmakamedikation wurde 2 x täglich ein Gramm NAC
verabreicht, gefolgt von einer vierwöchigen washout-Phase.
Durch die NAC-Supplementierung kam es zu einer deutlichen Besserung
verschiedener Testparameter, die jedoch nach der Auswaschphase verschwand.
Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass NAC die Wirksamkeit einer
Psychopharmakatherapie deutlich verbessert.
Im Februar 2009 wurde von türkischen Wissenschaftlern eine Studie
veröffentlicht, in der verschiedene Parameter des oxidativen Stresses bei
Patienten mit Zwangsstörungen bestimmt und mit den Werten gesunder
Kontrollpersonen verglichen wurden. Die Parameter waren Katalasen,
Malondialdehyd, Selen und Glutathionperoxidase. Die Studie zeigte, dass
zwischen oxidativem Stress und Zwangsstörungen eine signifikante Relation
bestand.
Kommentar:
Aus Sicht der Orthomolekularen Medizin zeigen die Ergebnisse dieser Studien,
dass bei affektiven Störungen unbedingt der Antioxidantienstatus überprüft
und gegebenenfalls eine gezielte Therapie mit antioxidativen
Mikronährstoffen durchgeführt werden sollte.
Referenz:
-
Sarandol A et al: Major depressive disorder is a
accompanied with oxidative stress: short-term antidepressant treatment does
not alter oxidative-antioxidative systems; Hum Psychopharmacol; 2007 Mar;
22(2): 67-73
-
Michel TM et al: Evidence for oxidative stress in
the frontal cortex in patients with recurrent despressive disorder - a
postmortem study; Psychiatry Res. 2007 May 30; 151(1-2): 145-50
-
Szuster-Ciesielska A et al: Accelerated apoptosis of
blood leukocytes and oxidative stress in blood of patients with major
depression; Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2008 Apr 1;32(3):
686-94
-
Atmaca M et al: Antioxidant enzyme and
malondialdehyde levels in patients with social phobia; Psychiatry Res. 2008
May 30; 159(1-2): 95-100
-
Ng F et al: Oxidative stress in psychiatric
disorders: evidence base and therapeutic implications; Int J
Neuropsychopharmacol. 2008 Sep; 11(6): 851-76
-
Berk M et al: N-acetyl cysteine for depressive
symptoms in bipolar disorder - a double-blindrandomized placebo-controlled
trial; Biol Psychiatry. 2008 Sep 15; 64(5): 468-75
-
Ozdemir E et al: Serum selenium and plasma
malondialdehyde levels and antioxidant enzyme activities in patients with
obsessive-compulsive disorder; Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry.
2009 Feb 1; 33(1): 62-5
Weitere Literatur beim Verfasser.
© Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler
Juli 2009
DCMS GmbH
Löwensteinstraße 9
97828 Marktheidenfeld
www.diagnostisches-centrum.de
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