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Orthomolekulare Medizin bei
Depressionen
Hängt die Stimmung von der
Mikronährstoffversorgung ab?
Dr. med. Hans-Günter Kugler,
CO`MED Nr. 10 - 2007:
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Nach Hochrechnungen der WHO werden sich bis zum Jahr 2020 die
Depressionen zu der Krankheitsgruppe entwickeln, die neben den
Herz-Kreislauf-Erkrankungen das meiste Leiden und die höchsten Kosten
verursacht. Die Lebenszeitprävalenz für depressive Erkrankungen beträgt
17 Prozent, wobei Frauen deutlich höhere Erkrankungsziffern aufweisen.
Früher wurden die Depressionen in psychogene, somatogene und endogene
Formen eingeteilt. Diese Einteilung nach ätiologischen Vorstellungen
wurde inzwischen wieder geändert. In der Klassifikation nach ICD-10
unterscheidet man jetzt: depressive Episoden, bipolare affektive
Störungen, rezidivierende depressive Störungen und anhaltende affektive
Störungen. Depressionen sind außer durch die schweren psychischen
Beeinträchtigungen auch durch Veränderungen auf neuronaler,
neuroendokriner und molekularer Ebene charakterisiert. Zum Verständnis
der therapeutischen Ansatzpunkte von Mikronährstoffen ist es wichtig,
die wesentlichen neurobiologischen und stressphysiologischen
Veränderungen bei Depressionen zu kennen. |
Obwohl verschiedene neurobiologische Auffälligkeiten
bei Depressionen gefunden wurden, gilt es als noch nicht geklärt, ob diese
Veränderungen ätiologisch an der Depression beteiligt sind oder nur eine
Reaktion auf andere Faktoren darstellen. Die so genannte Monoamin-Hypothese
der Depression geht davon aus, dass bei dieser Erkrankung eine Unterfunktion
des serotoninergen und noradrenergen Systems vorliegt.
Die antidepressive Pharmakotherapie verfolgt das Ziel, ein erhöhtes Angebot
an Monoamin-Neurotransmittern im synaptischen Spalt zu schaffen und dadurch
das funktionelle Defizit aufzuheben.
Bildgebenden Verfahren haben inzwischen gezeigt, dass bei depressiven
Patienten auch Störungen im Stoffwechsel und in der Verteilung der
Neurotransmitter GABA, Acetylcholin und Glutamat vorliegen können.
Typisch bei Depressionen sind auch Auffälligkeiten der
Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse).
Meist ist die Menge an Glucocorticoidrezeptoren im ZNS vermindert, so dass
die negative Rückkoppelung von Cortisol auf die Neuronen reduziert ist.
Dadurch kommt es einer verstärkten Freisetzung von CRH aus CRH-Neuronen, was
zu einer vermehrten ACTH- und Cortisolausschüttung führt. Das CRH ist ein
Neuropeptid, das maßgeblich an Angst- und Depressionsgefühlen beteiligt ist.
Es ist schon länger bekannt, dass bei depressiven Patienten ein
Hypercortisolismus vorliegt, der z.B. auch die Immunschwäche und erhöhte
Infektanfälligkeit bei diesen Personen erklären kann. Erhöhte
Cortisolkonzentrationen können auch über eine abdominelle Fettanhäufung das
Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
Schließlich scheinen auch proinflammatorische Zytokine wie Interleukin-1,
Tumornekrosefaktor-Alpha und Interferon-Gamma am Zustandekommen von
Depressionszuständen beteiligt zu sein. Im Gehirn depressiver Patienten wird
oftmals auch eine Vergrößerung der Amygdala und eine Verkleinerung des
Hippocampus beobachtet.
Eine Mikronährstofftherapie kann in vielen Fällen die Symptomatik einer
Depression verbessern. Sie kann in leichteren Fällen als Monotherapie in
Frage kommen, häufig wird aber eine Orthomolekulare Therapie eine Ergänzung
zu anderen Therapieformen sein.
Zu den Ansatzpunkten einer Mikronährstofftherapie gehören:
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•
Neurotransmittermetabolismus
• Stresstoleranz
• Immunkompetenz
• Antioxidative Kapazität
• Energiestoffwechsel |
Bei einer Supplementierung mit Mikronährstoffen ist
unbedingt auf eine mögliche Wechselwirkung mit Psychopharmaka zu achten.
Depressionen sind keine ätiologisch einheitlich definierten Störungen. Es
liegt auch kein einheitliches Muster an Mikronährstoffdefiziten bei diesem
Krankheitsbild vor. Deshalb sollte bei jedem betroffenen Patienten auf der
Basis einer Laboranalyse ein individuelles Therapieprogramm erstellt werden.
Im Folgenden werden wesentliche Mikronährstoffe vorgestellt, die bei der
Behandlung von Depressionen in Frage kommen – ohne Anspruch auf
Vollständigkeit:
Magnesium
Magnesium ist ein wichtiger „Antistress-Mikronährstoff“, der bei vielen
psychovegetativ bedingten Beschwerden erfolgreich eingesetzt werden kann. Zu
den Symptomen eines Magnesiummangels gehören auch Depressionen.
Magnesiumionen sind natürliche Antagonisten an den NMDA-Rezeptoren. Es gibt
zunehmend wissenschaftliche Hinweise, dass die glutamaterge
Neurotransmission via NMDA-Rezeptoren auch an der Pathophysiologie der
Depressionen beteiligt ist. Magnesium kann auch die
Ausschüttung von ACTH vermindern, das bekanntlich vermehrt bei
Stresssituationen freigesetzt wird.
Selen
Selen ist ein wichtiges Spurenelement im Hirnstoffwechsel, was man u.a.
daran erkennen kann, dass die Selenkonzentration im ZNS auch dann aufrecht
erhalten wird, wenn es bereits zu einem Selenmangel in den peripheren
Organen gekommen ist. Ein niedriger Selenstatus hat einen negativen Effekt
auf die Psyche und kann mit einem vermehrten Auftreten von Depressionen und
anderen psychischen Symptomen einhergehen. Es konnte auch nachgewiesen
werden, dass eine Selensupplementierung einen positiven Effekt auf Psyche
und Wohlbefinden hat, vor allem bei einem niedrigen Selenstatus.
Zink
Bei der depressiven Episode ist häufig ein Zinkmangel nachweisbar; außerdem
korreliert der Schweregrad der Depression mit der Zinkkonzentration im
Blutserum. Zink ist ein bedeutendes Spurenelement im Hirnstoffwechsel und
wird für die Aktivität der Rezeptoren von GABA, Glycin und Glutaminsäure
benötigt. Zink ist, ähnlich wie Magnesium, ein direkter Antagonist der
NMDA-Rezeptoren, was teilweise seine antidepressive Aktivität erklären
dürfte. Zink verstärkt auch die Bildung von BDNF (Brain derived neurotrophic
factor), einem wichtigen Wachstumsfaktor der Nervenzellen. Es ist bekannt,
dass antidepressive Substanzen meistens einen Anstieg von BDNF bewirken, der
zur Stimmungsaufhellung beiträgt.
Die bei depressiven Patienten nachweisbaren niedrigen Zinkkonzentrationen
dürften auch wesentlich zu der bekannten Immunschwäche beitragen.
Kupfer
Bei depressiven Patienten lassen sich oftmals erhöhte Kupferkonzentrationen
im Blutserum feststellen, die aber nicht als echter Kupferüberschuss zu
bewerten sind. Vielmehr sind sie Merkmal einer Akutphasenreaktion, die
typischerweise bei einer erhöhten Entzündungsaktivität auftritt.
Ein ausgeprägter Kupfermangel kann zu Depressionen führen, da Kupfer an der
Katecholaminbiosynthese beteiligt ist.
Eisen
Niedrige Ferritinkonzentrationen können zu den Symptomen einer Depression
führen, noch bevor eine Anämie nachgewiesen werden kann. Eisen ist für die
Dopaminsynthese erforderlich. Ein Eisenmangel kann deshalb zu Müdigkeit,
verminderter Hirnleistungsfähigkeit, Erschöpfung, depressiver Verstimmung
etc. führen. Auch sehr hohe Ferritinkonzentrationen können eine
Verschlechterung der Stimmungslage bewirken.
Vitamin B1
Nervenzellen decken ihren Energiebedarf ganz überwiegend durch den
oxidativen Abbau von Kohlenhydraten, weshalb Vitamin B1 für die
Energieversorgung der Nervenzellen von zentraler Bedeutung ist.
Vitamin B1 ist auch an der Reizübertragung und –leitung beteiligt und wird
für den Stoffwechsel der Neurotransmitter Serotonin, Acetylcholin, Glutamat
und GABA benötigt.
In verschiedenen placebokontrollierten Doppelblindstudien konnte
nachgewiesen werden, dass eine Vitamin-B1-Supplementierung auch dann zu
einer Besserung der psychischen Befindlichkeit führte, wenn noch kein
Vitamin-B1-Mangel nachweisbar war.
Die Versuchsteilnehmer berichteten über vermehrte Energie sowie bessere
Konzentrationsfähigkeit und mehr Klarheit.
Vitamin B2
Trizyklische Antidepressiva und Neuroleptika stören den Stoffwechsel von
Vitamin B2 und erhöhen den Bedarf an diesem Vitamin. Flavinenzyme sind
außerdem am Metabolismus der Folsäure und des Vitamins B6 beteiligt. Eine
Supplementierung von Vitamin B2 ist deshalb manchmal für eine effektive
Homocystein-Senkung erforderlich.
Folsäure
Zahlreiche Studien in den letzten Jahrzehnten haben eine erhöhte Inzidenz
eines Folsäuremangels bei depressiven Patienten nachgewiesen. Rund ein
Drittel der untersuchten Patienten zeigten einen Folsäuremangel. Eine im
Jahr 2004 publizierte Metaanalyse der Universität Oxford über den Nutzen
einer Folsäuretherapie bei der Behandlung von Depressionen kam zu dem
Schluss, dass dieses Vitamin ein wirksames Adjuvans zur antidepressiven
Therapie darstellt.
Bei einem Folsäuremangel sinkt die Verfügbarkeit von Serotonin im ZNS. Ein
Mangel an Folsäure und Vitamin B12 stören SAM-abhängige
Methylierungsreaktionen und erhöhen das neurotoxische Homocystein. Das
Auftreten depressiver Symptome ist häufig mit erhöhten
Homocystein-Konzentrationen im Blut assoziiert, was in verschiedenen großen
Studien, z.B. der „Hordaland Homocysteine Study“, nachgewiesen werden
konnte. Derzeit ist aber noch keine verbindliche Aussage darüber möglich, ob
eine Hyperhomocysteinämie kausal am Zustandekommen von Depressionen
beteiligt ist. Jedenfalls ist die Folsäure das wichtigste Vitamin zur
Senkung erhöhter Homocystein-Konzentrationen.
Mehrfach wurde nachgewiesen, dass die Wirksamkeit von
Serotonin-Wiederaufnahmehemmern bei einem Folsäuremangel erheblich
vermindert sein kann. Deshalb sollte bei einer Therapie mit diesen
Psychopharmaka auch Folsäure supplementiert werden.
Vitamin B12
Rund 30 Prozent der Patienten mit Depressionen, die stationär behandelt
wurden, hatten einen Vitamin-B12-Mangel. Bei älteren Menschen besteht ein
deutlicher Zusammenhang zwischen der Vitamin-B12-Konzentration und dem
Risiko für Depressionen. Defizitäre oder suboptimale
Vitamin-B12-Konzentrationen sind bei Senioren sehr häufig, da die
Vitamin-B12-Resorption sehr komplex und deshalb störanfällig ist. Vitamin
B12 wird, genauso wie Folsäure, für die Bildung von SAM benötigt.
Insbesondere bei älteren Patienten sollte die Vitamin-B12-Konzentration
bestimmt werden, da ggf. durch eine Therapie eine deutliche Verbesserung
sowohl ihrer Hirnleistungsfähigkeit als auch ihrer psychischen
Befindlichkeit erreicht werden kann.
Vitamin B6
Verschiedentlich konnte bei Depressionen ein Vitamin-B6-Mangel festgestellt
werden. Vitamin B6 ist eines der wichtigsten Vitamine im
Neurotransmitter-Metabolismus und für die Bildung von Serotonin,
Noradrenalin, Glutamat und GABA erforderlich. Deshalb müsste man eigentlich
davon ausgehen, dass eine Vitamin-B6-Therapie einen erheblichen Einfluss auf
Depressionen hat. Dies konnte allerdings in klinischen Studien nicht
verbindlich nachgewiesen werden. Sehr gut wirksam ist eine
Vitamin-B6-Supplementierung bei depressiven Verstimmungszuständen im Rahmen
eines prämenstruellen Syndroms.
Vitamin B6 gehört neben Folsäure und Vitamin B12 zu der
Standard-Dreier-Kombination zur Senkung erhöhter Homocystein-Spiegel.
Vitamin C
Vitamin C ist erforderlich für die Biosynthese von Neurotransmittern, z.B.
für die Umwandlung von Tryptophan in 5-Hydroxy-Tryptophan oder die
Hydroxylierung von Dopamin zu Noradrenalin. Eine weitere für die Stimmung
und Stressbewältigung relevante Funktione von Vitamin C ist seine
Beteiligung an der Synthese verschiedener Neuropeptide (z.B. CRH, TRH) und
der Glucokortikoide. Vitamin C spielt auch eine wichtige Rolle im
Folsäuremetabolismus, weil es für die Aktivierung von Folsäure zu
Tetrahydrofolsäure benötigt wird.
Aus o.g. geht klar hervor, dass Vitamin C in der Prävention und Therapie
depressiver Erkrankungen eine wichtige Rolle spielt. In einer älteren Studie
aus Großbritannien wurde eine Vitamin-C-Supplementierung von 1 g pro Tag mit
gutem Erfolg bei psychiatrischen Patienten eingesetzt. Die depressive
Episode (major depression) ist mit oxidativem Stress assoziiert. Bei
depressiven Patienten wurden erhöhte Malondialdehyd-Spiegel im Blutplasma
nachgewiesen, außerdem eine verstärkte Oxidationsneigung der Erythrozyten.
Daraus ergibt sich ein vermehrter Bedarf an Antioxidantien bei depressiven
Patienten. Vitamin C ist auch wichtig für den Endothelzellschutz und
verbessert die Immunkompetenz.
Vitamin D
Bei Vitamin D wurden in den letzten Jahren zahlreiche neue biochemische
Funktionen entdeckt, so dass seine Bedeutung jetzt weit über die eines
„Knochenvitamins“ hinausgeht.
Es ist ein weit verbreitetes und vielseitiges Regulatormolekül; auch im
Gehirn wurden Vitamin-D-Rezeptoren nachgewiesen, wobei die Funktionen des
Vitamin D im Nervenstoffwechsel noch nicht völlig geklärt sind. Es dürfte
aber eine wichtige Aufgabe für die Bildung von Nervenwachstumsfaktoren
haben. In den letzten Jahren hat sich auch herausgestellt, dass der
Vitamin-D-Mangel besonders in den Wintermonaten und in den Ländern der
Nordhalbkugel epidemieartige Ausmaße annimmt. Bei älteren Menschen sind die
Vitamin-D-Konzentrationen oft sehr niedrig, was neben einem erhöhten
Osteoporose- und Sturzrisiko auch zu einer verschlechterten Stimmung und zu
Hirnleistungsstörungen führen kann. Es gibt auch Hinweise aus einigen
Studien, dass eine Vitamin-D-Supplementierung bei der Winterdepression von
Nutzen ist.
In Blutanalysen lassen sich sehr häufig niedrige Vitamin-D-Konzentrationen
nachweisen. Bei den wenigsten Patienten liegt die Konzentration von
25-Hydroxy-Cholecalceferol in dem präventiv sinnvollen Bereich zwischen 30
und 40 ng/ ml.
Tryptophan
Tryptophan ist eine essentielle Aminosäure und gleichzeitig die Aminosäure,
die in Nahrungsmitteln am seltensten enthalten ist. Sie ist Vorläufermolekül
des Neurotransmitters Serotonin und des Epiphysenhormons Melatonin.
Serotonin entfaltet über verschiedene Rezeptortypen ganz unterschiedliche
Effekte: Zu seinen wichtigsten Funktionen gehört sicherlich die Regulierung
von Stimmung und psychischer Befindlichkeit. Die Tryptophankonzentration im
Gehirn bestimmt darüber, wie viel Serotonin gebildet werden kann. Das Enzym
Tryptophan-Hydroxylase katalysiert den ersten Schritt der Serotoninbildung
aus Tryptophan. Dieses Enzym ist bei normalen Tryptophankonzentrationen
nicht gesättigt, so dass ein vermehrtes Tryptophanangebot schnell zu einer
verstärkten Serotoninsynthese führt. Entsprechend führt auch eine
Einschränkung der Tryptophanzufuhr rasch zu einer Verminderung der
Serotoninkonzentration im Gehirn. Dieser Effekt wurde bereits vielfach in so
genannten Monoamin-Depletionsstudien untersucht, in denen Patienten oder
Versuchspersonen ein tryptophanfreies Eiweißgetränk verabreicht wurde. Eine
im April 2007 von der Universität Amsterdam publizierte Metaanalyse über
diese Studien kam zu dem Ergebnis, dass eine Trypotophandepletion zu einer
Stimmungsverschlechterung bei Personen führte, bei denen eine familiäre
Belastung mit depressiven Episoden vorlag. Außerdem kam es zu einer
Stimmungsverschlechterung bei depressiven Patienten in der Remissionsphase
ihrer Erkrankung.
Die Anhebung der Serotoninkonzentration durch eine
Tryptophansupplementierung (3 x 1 g) zeigte in einer kanadischen Studie
deutliche psychische Effekte bei „streitsüchtigen“ Versuchspersonen. Es kam
nicht nur zu einer Verminderung der Streitsucht, sondern auch zu einer
Zunahme sozial wünschenswerter Verhaltensweisen.
Eine Therapie mit Tryptophan kann bei leichten und mittelschweren
Depressionen hilfreich sein, wobei Tryptophan aber nicht mit
Serotonin-Wiederaufnahmehemmern kombiniert werden sollte. Wie schon erwähnt,
haben depressive Patienten meist eine proinflammatorische Reaktionslage,
wodurch der Tryptophanabbau beschleunigt ist, was wiederum den Bedarf an
dieser Aminosäure erhöht.
Es besteht aber kein Automatismus dahingehend, dass bei jedem depressiven
Patienten ein Tryptophan- oder Serotoninmangel im Blutserum nachweisbar sein
müsste.
Phenylalanin/ Tyrosin
Tyrosin ist die Ausgangssubstanz für die Bildung der Katecholamine. Auch das
noradrenerge System kann an der Entstehung von Depressionen beteiligt sein.
Eine experimentelle Tyrosin-Depletion führte, ähnlich wie bei Trypophan, zu
einer Stimmungsverschlechterung bei Personen mit einer familären Belastung
mit depressiven Episoden. Über eine Phenylalanin-Tyrosin-Supplementierung
liegen aber viel weniger Daten vor als über eine solche mit Tryptophan. Eine
Tyrosinsupplementierung dürfte hauptsächlich bei Stress-Depressionen in
Frage kommen oder bei Erschöpfungszuständen, die mit depressiven Symptomen
vergesellschaftet sind.
S-Adenosyl-Methionin (SAM)
SAM ist an der Synthese wichtiger Bausteine des Hirnstoffwechsels wie
Neurotransmitter und Phospholipide beteiligt. Eine tägliche orale
Verabreichung von 4 x 400 mg führte in klinischen Studien bei Patienten mit
Depressionen zu einer deutlichen Verbesserung der depressiven Symptomatik.
Andere Mikronährstoffe
Im Einzelfall können bei der Behandlung depressiver Erkrankungen auch noch
andere Mikronährstoffe in Frage kommen, besonders Omega-3-Fettsäuren,
Phosphatidylserin, Coenzym Q10 etc.
Schlußbetrachtung
Unsere langjährige Erfahrung im Bereich der Laboranalytik von
Mikronährstoffen lässt die Aussage zu, dass bei depressiven Patienten sehr
häufig mehrere Mikronährstoffe vermindert sind. Auch haben wir die Erfahrung
gemacht, dass eine gezielte individuelle Therapie fehlender Mikronährstoffe
bei den meisten Patienten eine gute Besserung der psychischen Befindlichkeit
bewirkt. Dies gilt sowohl für Patienten, die Psychopharmaka einnehmen, als
auch für Patienten, die ausschließlich eine orthomolekulare Therapie
bevorzugen
©
Dr. med. Hans-Günter Kugler
Löwensteinstraße 9
97828 Marktheidenfeld
www.diagnostisches-centrum.de
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