Nach neuesten Zahlen sind in Deutschland mindestens 1,5. Millionen
Menschen mangelernährt. Das war der Tenor einer Ende Juni 2007 in
Berlin vorgestellten Studie der Beratungsgesellschaft Cepton. Weiter
heißt es: „Lediglich ein Drittel der mangelernährten Patienten wird
klinisch therapiert.“
Unter dem
Strich lässt sich sagen, dass zu fett, zu süß und zu wenig Obst und Gemüse
gegessen wird. Daraus resultiert die logische Konsequenz, dass die Versorgung
mit bestimmten lebensnotwendigen Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen,
Aminosäuren und Fettsäuren bei einem Großteil der Bevölkerung unzureichend ist -
mit zum Teil gravierenden Folgen.
Viele
dieser Vitalstoffe sind an der Bildung und am Stoffwechsel wichtiger
neurochemischer Signalsubstanzen beteiligt, die unser Fühlen, Denken und Handeln
wesentlich beeinflussen.
Im
Gegensatz zu den depressiven Erkrankungen gibt es bisher für die
Angsterkrankungen aus Sicht der Neurobiologie kein klar formuliertes Modell.
Trotzdem ist die Wirksamkeit verschiedener Mikronährstoffe bei Angsterkrankungen
nachgewiesen.
Einen
besonderen Stellenwert in der orthomolekularen Behandlung von Angsterkrankungen
nehmen die Aminosäuren ein, da sie Vorreiter bestimmter Neurotransmitter sind
oder selbst als Neurotransmitter fungieren. Bei Gabe mancher Amionsäuren wie
z.B. Glycin und Lysin wurde auch eine Milderung der Beschwerden beobachtet.
Neurotransmitter sind Signalstoffe, die zwischen den Nervenzellen übertragen
werden und bestimmte Wirkungen erzielen: z.B. beruhigende, dämpende,
stimmungsaufhellende, aufmunternde, wachmachende, konzentrationsfördernde etc.
Ein Neurotransmitter mit beruhigender Wirkung ist z.B. GABA (Gamma-Aminobuttersäure).
Die Benzodiazepine, häufig verwendete Psychopharmaka bei Angsterkrankungen,
wirken über das GABAerge System. GABA kann aus der Aminosäure Glutamin gebildet
werden. Für die Aktivierung der GABA-Rezeptoren spielt auch die Aminosäure
Taurin ein Rolle.
Der
Neurotransmitter Serotonin, der ja bekanntlich einen stimmungsaufhellenden
Effekt hat, kann ebenfalls bei Angsterkrankungen von Bedeutung sein. Gebildet
wird Serotonin aus der Aminosäure Tryptophan. Allerdings sind Angsterkrankungen
nicht unbedingt Serotoninmangelerkrankungen. Es muss immer im Einzelfall geprüft
werden, ob ein Tryptpohan-/ Serotoninmangel vorliegt, der dann die Grundlage für
eine gezielte Supplementierung ist. Dieser wichtige Grundsatz ist im Übrigen auf
alle Aminosäuren anzuwenden.
Weitere
Mikronährstoffe, die bei der Behandlung von Angsterkrankungen berücksichtigt
werden sollten, findet man in der Gruppe der B-Vitamine. Vitamin B1 kann bei
psychischen Befindlichkeitsstörungen und Hirnleistungsstörungen hilfreich sein.
Wenn der Vitamin-B1-Spiegel zu niedrig ist, kann es zu einer vermehrten
Milchsäurebildung kommen, die dann das Risiko für Panikattacken erhöht. Die
Vitamine B6, B12 und Folsäure sind aus verschiedenen Gründen für das
Nervensystem erforderlich: Sie dienen der Energieversorgung der Nervenzelle,
sind am Aminosäurenstoffwechsel und am Neurotransmitterstoffwechsel beteiligt
und werden für die Auskleidung der Nervenzellwände gebraucht. Außerdem senken
sie den Homocysteinspiegel, der mit einer depressiven Stimmungslage assoziiert
ist. Da Angststörungen häufig mit Depressionen einhergehen, empfiehlt sich in
jedem Fall eine Überprüfung der Versorgung mit diesen B-Vitaminen.
Das
Zusammenspiel der einzelnen Mikronährstoffe ist sehr komplex. Für das
Nervensystem sind noch weitere Mikronährstoffe von großer Bedeutung wie z.B. Tyrosin, Phenylalanin, Magnesium, Calcium, Zink, Selen, Vitamin C.
Auch für
den Stoffwechsel des Nervensystems gilt, dass dieser nur optimal funktionieren
kann, wenn alle erforderlichen Mikronährstoffe zur richtigen Zeit am richtigen
Ort sind.
Juni 2007